Hallo Leute!
Wir sind nun unterwegs zum vorerst letzten Streckenabschnitt unserer Südinseltour, der West Coast. Die dünn besiedelte Küstenregion wurde uns von wirklich jedem schmackhaft gemacht, doch wir haben uns die Gegend ungewollt bis zum Schluss aufgespart. Aufgrund der hohen Niederschläge hat die Westküste mit dem neuseeländischen Tieflandregenwald eine auf der Erde einzigartige Vegetation und Artenvielfalt und der Blick auf's Meer bietet immer wieder geniale Aussichten. Die zentralen Orte hier sind Hokitika, Greymouth und Westport, denen wir allesamt einen Besuch abgestattet haben. Im Sommer wird die kurvenreiche Küstenstraße von unzähligen Campervans und Reisebussen bevölkert und es gibt nur wenige Orte, die isolierter liegen und in denen man die entspannte Art der Westküstler erleben kann. Erwähnt sei also noch einmal, dass es sich durchaus auch im Winter lohnt, Neuseeland zu erkunden! :)
| Claudi vor den Thunder Creek Falls jenseits des Passes |
| Da wir ja schon mal auf einer One Lane Bridge stehengeblieben sind, haben wir dieses Mal vorher vollgetankt. Auf 750 Metern wäre das Schieben nämlich ein bisschen mühsamer gewesen... |
Wir entschieden uns vorerst nur für den Franz Josef Glacier, weil wir planen, später noch einmal hierherzukommen und dann auch dem Fox einen Besuch abzustatten.
| Der Ranger sagt, die Wetterbedingungen stimmen. Los geht's also! :) |
| Durch das Schotterbett des Waiko River, dem Schmelzwasser der Gletschers, stiefelt man etwa 30 Minuten lang bis zum Eis. |
| Beide Gletscher reichen von fast 3000 Metern Höhe bis in die Regenwaldzone der West Coast hinab. |
Einen halben Kilometer vom Gletscher entfernt untersagen Absperrungen und Hinweisschilder leider das Weitergehen, weil es in den vergangenen Jahren zahlreiche Unfälle mit Todesopfern durch fallende Steine gegeben hat. So schauen wir also aus sicherer Entfernung ehrfürchtig zum Gletscher hinauf...
Der deutsche Geologe Julius von Haast, der im Westland nach Bodenschätzen suchte, benannte den Gletscher 1865 als kleinen Gruß an einen österreichischen Kollege nach Kaiser Franz Josef I. von Österreich. Nett von ihm.
Viel schöner finden wir jedoch den Maori-Namen, der allein die gesamte Gletscherentstehungslegende in sich trägt. "Ka Roimata o Hinehukatere" nämlich erzählt die Geschichte einer jungen Frau, die in den Bergen ihren Liebsten verliert und in ihrer Trauer einen Tränenstrom vergießt, der zu Eis wird. Wenn das nicht romantisch ist...?
Die kleine Stadt Hokitika sorgt jedes Jahr im März für Aufsehen; dann wird hier das Hokitika Wildfoods Festival zelebriert. Grünlippmuscheln, Schnecken und Whitebait (wir berichteten) gehören an diesem Wochenende eher zum Langweiler-Snack. Der hartgesottene Kiwi stürzt sich indes auf Würmer, Käfer und Kuheuter am Spieß! Und wir dachten, das Dschungelcamp befände sich irgendwo in Australien... Zum Glück läuft unser Visum vor März 2013 aus! :)
Ansonsten hat der Ort neben einem netten Hafen, einigen ansehnlichen Häusern und mehreren Pounamu (Grünstein)-Fabriken nicht allzu viel Reizvolles zu bieten.
| Der Glockenturm im Zentrum der Stadt, ein Wahrzeichen Hokitikas |
| In der Jade Factory. Wäre der Schmuck nicht so preisintensiv, hätten wir uns sicher hier oder anderswo eingedeckt! |
| Eisenbahnbrücke mal anders... |
| Sieh mal einer an... |
Am Nachmittag bekamen wir dann die wirklichen landschaftlichen Highlights der West Coast zu sehen, die wir bis dahin vermisst hatten. Zwischen Greymouth und Westport schlängelt sich State Highway 6 zwischen Regenwald und Küste entlang durch den Paparoa-Nationalpark und bietet fast durchgängig herrliche Ausblicke auf's Meer.
| Nikau-Palmen, Markenzeichen der Landschaft |
Schnell noch ein paar Postkarten gekauft, dann brachte uns unser Chally nach Westport, einer alten Kohle- und Industriestadt im nördlichen Teil der West Coast. Auch hier müssen wir euch enttäuschen: Das hiesige Kohlemuseum konnte uns nicht locken und wieder gibt es keine lustigen Pubgeschichten zu erzählen. Stattdessen verbrachten wir nach einem kurzen Besuch in der Stadt die folgenden drei Tage auf der Bassets-Farm am Cape Foulwind, zwölf Kilometer von Westport entfernt und berichten euch jetzt von unseren unterhaltsamen Tagen auf einem riiieeesigen Milchviehbetrieb! :)
Am nächsten Tag hieß es dann "An die Arbeit!" Wann hat man schon einmal die Möglichkeit, einfach so in einem Milchbetrieb mitzuarbeiten? Auf einem Gebiet von 440 Hektar weiden 1.100 Kühe, die zweimal täglich gemolken werden müssen. Außerdem ist gerade Abkalbungszeit!
7.30 Uhr: Kälber füttern
| Diese hier sind gerade erst zwei Tage alt... |
8.30: Frühstück
Da die anderen Mitarbeiter (insgesamt sechs) immer schon um einiges früher mit ihrer Arbeit beginnen, gab's jetzt ein gemeinsames Frühstück, zu dem auch wir eingeladen waren. Natürlich wieder "typisch Kiwi" mit Toast und Kartoffelpuffern, Rührei, Schinkenspeck und Spaghetti. Wir wurden darauf hingewiesen, dass wir viele Puffer essen sollen, weil wir für unsere nächste Aufgabe Power brauchen würden...?!
9.00: Kälber fangen
Fangen, einsammeln, jagen... Das alle bezeichnet ein schweißtreibendes, atemraubendes und für uns ziemlich trauriges Unterfangen. Brooke hatte am Morgen schon alle neugeborenen Kälber identifiziert und gekennzeichnet, jetzt mussten wir mit Quads, Motorrädern und Miniautos über die Koppeln heizen, um die Kälber einzufangen. War ein Anhänger voll, mussten wir die Kälber zu den anderen in die Ställe bringen. Die dazugehörigen Mütter mussten wir auch von den noch trächtigen Kühen trennen und sie von der Weide holen. Aufgrund ihrer Milch, die jetzt besonders reich an Colostrum und somit sehr wertvoll ist, würden sie für die nächsten Tage gesondert gemolken werden.
Nachdem wir die "aussortierten" Kühe versehentlich aufgrund falscher Bewegungen verschreckt und wieder in Richtung Herde zurückgetrieben hatten (Es ist gar nicht so einfach, ruhig zu bleiben, wenn die auf einen zustümen, ja?), hatten wir die verantwortungsvolle Aufgabe, am Gatter zu stehen und darauf zu achten, dass die Mütter nicht wieder zurück zur Herde gelangen... -.-'
9.00: Kälber fangen
Fangen, einsammeln, jagen... Das alle bezeichnet ein schweißtreibendes, atemraubendes und für uns ziemlich trauriges Unterfangen. Brooke hatte am Morgen schon alle neugeborenen Kälber identifiziert und gekennzeichnet, jetzt mussten wir mit Quads, Motorrädern und Miniautos über die Koppeln heizen, um die Kälber einzufangen. War ein Anhänger voll, mussten wir die Kälber zu den anderen in die Ställe bringen. Die dazugehörigen Mütter mussten wir auch von den noch trächtigen Kühen trennen und sie von der Weide holen. Aufgrund ihrer Milch, die jetzt besonders reich an Colostrum und somit sehr wertvoll ist, würden sie für die nächsten Tage gesondert gemolken werden.
Nachdem wir die "aussortierten" Kühe versehentlich aufgrund falscher Bewegungen verschreckt und wieder in Richtung Herde zurückgetrieben hatten (Es ist gar nicht so einfach, ruhig zu bleiben, wenn die auf einen zustümen, ja?), hatten wir die verantwortungsvolle Aufgabe, am Gatter zu stehen und darauf zu achten, dass die Mütter nicht wieder zurück zur Herde gelangen... -.-'
| :'( |
| Später durften wir auch selber das Quad und den Mini-John Deere fahren |
| Brooke kennzeichnet die Kälber und besprüht den Nabel (nennt man das bei Kälbern auch so?) mit desinfizierendem Spray |
12.30: Mittagspause
Je nach Anzahl der neugeborenen Kälber (täglich zwischen 30 und 60) dauert das Einsammeln natürlich auch immer unterschiedlich lang. Wir brauchten an diesem Tag ganze 3,5 Stunden und wurden dann in unsere Pause entlassen, während die anderen noch ein wenig Farmarbeit zu tun hatten. Die meisten Mitarbeiter gehen für etwa 90 Minuten nach Hause, um etwas zu schlafen oder einfach auszuspannen. Sie haben eine 6-Tage-Woche mit zehn bis zwölf Arbeitsstunden und danach zwei Tage frei. Hut ab!
Zum 2. Melkvorgang (der erste beginnt um 4.30 Uhr) waren wir dann wieder dabei, wenn auch nur als interessierte Zuschauer. Die Farm ist total modern ausgestattet: Ein riesiges vollautomatisches Melkrondell, computergesteuerte Fütterung, Waage und und und. Und bei der ein oder anderen kommen Erinnerungen auf... Sani ganz stolz:
“Ich hab schon mal 'ne Kuh gemolken“ - „Echt jetzt?“- „Nee warte mal, ich weiß gar nicht, ob das ‘ne echte war...“ :D
| "Abstand halten! Diese Dusche wollt ihr nicht erleben..." |
| Auf dem Parkplatz sahen wir kurz vor der Rückkehr noch ein paar Wekas. Diese flugunfähigen Vögel sind an der Westküste heimisch und halten abends mit ihrem Gekreische die Menschen wach! :) |
Der geplante Tagesausflug nach Karamea, dem nördlichsten Ende der West Coast, fiel leider dem hier so üblichen Dauerregen zum Opfer. Deshalb machten wir uns noch einen gemütlichen letzten Tag bei Brooke und Brendon. Die beiden freuen sich anscheinend wirklich tierisch über Besucher und so wurden wir jeden Abend von den beiden wunderbar bewirtet! Brendon kochte sogar eines Abends Paua für uns (ihr erinnert euch, die Seeschnecken?). In Neuseeland darf jeder Fischer täglich 10 Paua fangen (beziehungsweise danach tauchen). Die waren unglaublich lecker - wer hätte das gedacht, dass wir irgendwann mal so ungewöhnliche Sachen essen! :)
Kurz bevor wir am letzten Tag nach Nelson aufbrechen wollten, dann noch eine kleine Überraschung. Brendon fragte, "Wem gehören die weinroten Chucks draußen?" - "Ähhh, mir, warum?" - "Oh es tut mir so leid, aber ich glaube, Willy hat einen davon irgendwo verbuddelt..." Was sagt uns das?
Was soll's, die meisten Frauen bewerten Schuhe sowieso über... Wir machen uns also mit etwas weniger Gepäck, aber mit einem riesigen Rucksack voll wunderschöner Erfahrungen von unserer Südinsel-Tour und in bester Laune auf in unsere neuseeländische Wahlheimat.
Wir hoffen, wir konnten euch ein paar Einblicke in die Vielfalt Neuseelands und die Liebenswürdigkeit der Kiwis geben!
Und beim nächsten Mal melden wir uns dann endlich wieder aus Richmond bei euch!
Alles Liebe von euren Kotte-Girls! :)

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